Experten für den öffentlichen Sektor haben sich in Vilnius über effiziente Arbeitslösungen ausgetauscht

30 Oktober 2013, Erneuert, 10:25 EEST
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Am 24.-25. Oktober dieses Jahres hat in Vilnius die internationale Konferenz zur Effizienz des öffentlichen Sektors stattgefunden, auf der sich Experten über die besten Erfahrungen weltweit ausgetauscht hatten, wie mit weniger Ressourcen bessere Ergebnisse in den staatlichen Institutionen zu erreichen sind. Auf den zweitägigen Veranstaltungen haben Experten für Reformen im öffentlichen Sektor  aus verschiedenen Ländern Vorträge gehalten und Workshops für über 400 Vertreter des litauischen öffentlichen Sektors sowie anderer Länder, die an der Konferenz teilgenommen haben, angeboten.  

Die Konferenz wurde von dem Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses für Europaangelegenheiten der Republik Litauen Gediminas Kirkilas eröffnet, dem zufolge, diese internationale Veranstaltung nicht nur für den Austausch von positiven Erfahrungen wichtig ist sondern auch um zahlreiche Länder auf die systematischen Probleme im öffentlichen Sektor aufmerksam zu machen.  

„Während der litauischen EU-Ratspräsidentschaft wurde viel Aufmerksamkeit auch der Verbesserung des öffentlichen Sektors geschenkt. Diese Konferenz ist einzigartig, da sie einen realen praktischen Nutzen bringt. Jedes beliebige Land ist nur so wettbewerbsfähig, wie effizient sein öffentlicher Sektor ist. Deswegen bin ich der Ansicht, dass wenn wir gute Ergebnisse erzielen können, dann sollen wir unsere positive Erfahrung an andere Länder weitergeben, vor allem an unsere östlichen Partner”, so der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Europaangelegenheiten der Republik Litauen Gediminas Kirkilas.

Auf der internationalen Konferenz standen vier Themen im Mittelpunkt: Erbringung von öffentlichen Dienstleistungen, öffentliche Ausschreibungen, Verbesserung des Gerichts- und Gesundheitswesens.

Auf der Konferenz haben 23 Experten Vorträge gehalten, es hat 2 Diskussionen gegeben. Am zweiten Konferenztag haben die Redner 6 Workshops angeboten, um verschiedene Managementprobleme im öffentlichen Sektor besser lösen zu können und die Effizienz in diesem Bereich zu steigern.  

Am ersten Konferenztag hat die Vizewirtschaftsministerin der Republik Litauen Rasa Noreikienė den Konferenzteilnehmern den Nutzen der elektronischen öffentlichen Ausschreibungen erklärt. Die Plattform für elektronische öffentliche Ausschreibungen gewährleistet mehr Transparenz und eine faire Konkurrenz, an den Ausschreibungen können sogar kleine Lieferanten teilnehmen. Darüber hinaus können Organisationen dank den elektronischen Ausschreibungen Zeit und Geld sparen. Durch die elektronische Plattform wird die Ausschreibungsdauer um sogar 15 Tage verkürzt, pro Jahr werden 6 % - 13,5 % der Haushaltsmittel gespart. R. Noreikienė zufolge sind die Mobilfunkdienstleistungen das beste litauische Beispiel im Bereich öffentliche Ausschreibungen.

„Das elektronische System für öffentliche Ausschreibungen lässt sowohl die wichtigsten Ressourcen der kaufenden Organisationen als auch der Lieferanten sparen – Zeit und Geld. Durch unsere Teilnahme an den in dem elektronischen System angekündigten öffentlichen Ausschreibungen bieten wir stets hochwertige Dienstleistungen für einen geringen Preis. So können die Institutionen schneller die benötigten Dienstleistungen erhalten und die eingesparten Steuergelder für notwendige Aufgabenbereiche bereitstellen”, sagte der Kommunikationsdirektor für die baltischen Staaten der Kommunikationsgesellschaft „Tele2” Andrius Baranauskas, der auf der Konferenz einen Vortrag hielt.

Der Richter des Amtsgerichtes Vilnius Audrius Cininas hat ebenfalls einen Vortrag auf der Konferenz gehalten und dabei auf die ineffizient arbeitenden litauischen Gerichte aufmerksam gemacht. Wie in vielen anderen Ländern auch steigen in Litauen die Anzahl und die Dauer der Gerichtsverfahren sowie die Arbeitsbelastung der Richter. 

A. Cininas zufolge sind die litauischen Richter genau wie die Richter in anderen Ländern auch durch etliche gesetzlich vorgesehenen Verfahren in ihrer Arbeit eingeschränkt und haben wenig Möglichkeiten, ihre Arbeit effizienter zu gestalten. Er gab darüber hinaus zu, dass es dennoch gewisse Möglichkeiten gibt, das zu erreichen und hat über seine Erfahrung in dieser Hinsicht berichtet. 

Der Richter hat einige Bemerkungen dazu gemacht, wie das Gerichtswesen oder ähnliche Systeme „in Bewegung gebracht” werden könnten. Er ist der Ansicht, dass die Richter häufig über verschiedene Zwischentermine stolpern, wodurch sie gezwungen werden, gleichzeitig mehrere dutzend Verfahren zu leiten und Multitasking-Fähigkeiten an den Tag zu legen. Statt die Arbeit der Gerichte anzukurbeln führen solche Termine zur Verlangsamung der Arbeit wegen der unlogischen Formalitäten.  

„Man kann ein Gericht mit einem Fließband vergleichen, behauptet A. Cininas. Jeder Richter ist wie ein am Fließband stehender Arbeiter. Er muss allerdings nicht ein Fließband sondern mehrere gleichzeitig bedienen. Was geschieht? Der Richter muss von einem Fließband zum anderen hin und her springen, sie ständig anhalten, sollte ein Fließband dennoch ganz unerwartet weiter laufen, so werden unbedingt irgendwelche Ressourcen fehlen: Gerichtssekretärinnen oder freie Räume. Der Richter selbst läuft hin und her, durch fehlende klare Grenzen und diese Sprunghaftigkeit werden auch andere Verfahrensbeteiligten angehalten und gereizt. Gesetzgeber sind irgendwie der Meinung, dass je früher ein Verfahren eröffnet wird, umso früher wird es auch abgeschlossen. Aus der Praxis geht hervor, dass das nicht stimmt.

Der Richter ist der Ansicht, dass die aktuelle Ordnung, wenn der Richter dazu verpflichtet ist, ein neues Verfahren zu eröffnen, obwohl viele andere noch offen sind, falsch sei. Es wäre viel effizienter alle Verfahren blockweise zu verhandeln und keine neuen zu eröffnen, solange die alten nicht abgeschlossen wurden. Wenn ein Richter, z. B., gleichzeitig 100 neue Verfahren erhält, dann sollte er nicht alle auf einmal eröffnen, sondern blockweise vorgehen, sagen jeweils 20 Stück nehmen. Aus seinen Berechnungen geht hervor, dass alleine diese Vorgehensweise die Durchlässigkeit der Verfahren um 30 % steigern würde.

Der israelische Gerichtsexperte Shimeon Pass hat ebenfalls praktische Ratschläge für das litauische Gerichtswesen gegeben. Er hat das Beispiel von Israel genannt und bewiesen, dass die Dauer der Verfahrensuntersuchung um 50 % gesenkt werden kann, die Zahl der gefällten Urteile um über 40 % steigen kann während sogar eine bessere Qualität gewährleistet wird. In Anlehnung an die Einschränkungstheorie aus dem Managementbereich hat S. Pass die Konferenzteilnehmer mit konkreten Maßnahmen vertraut gemacht, um eine schnelle und qualitative Arbeit der Gerichte zu gewährleisten.    

Gesundheitsexperten haben sich auf der Konferenz auf die Verwaltungsprobleme in den Krankenhäusern konzentriert. Auf der Veranstaltung haben Politiker, Mediziner, Managementexperten sich darauf geeinigt, dass für eine bessere Arbeit der Krankenhäuser effizientes Management der Einrichtungen notwendig sei.

Mangelhaftes Management der Gesundheitseinrichtungen – das ist das Hauptproblem”, sagte der zertifizierte Managementberater Mykolas Truncė. Darüber, dass die Gesundheitseinrichtungen die Arbeits- und Finanzkrise ohne zusätzliche Investitionen und lediglich mit Hilfe von effektiven Managementsystemen überwinden können, wurde auf der Konferenz mehrmals gesagt und einschlägige Beispiele aus verschiedenen Ländern vorgeführt.

Pieter E. Buwalda hat von der Erfolgsgeschichte seines Teams aus dem Drachten Nij Smellinghe Krankenhaus in den Niederlanden erzählt. Vor den Veränderungen war dieses Krankenhaus von ähnlichen Problemen geplagt wie andere auch: überfüllte Patientenräume, endlose Patientenschlangen, eine große Arbeitsbelastung für das Personal und natürlich stets fehlendes Geld. Nach der Umsetzung des Projektes zur Arbeitsverbesserung ist die Bettenbesetzungsrate um 20 % gesunken, die Aufenthaltsdauer der Patienten im Krankenhaus ist um 15 % zurückgegangen, was zu weniger Arbeitsbelastung der Ärzte und Pfleger führte.

„Wir konnten das nur mit Managementmaßnahmen, durch Prozessänderung und verbesserte Planung erreichen”, sagt der Vertreter des Krankenhauses in den Niederlanden. „Und das ist nicht alles, wir verbessern es weiter. Der Vorstand des Krankenhauses verfolgt sehr genau, vor welchen Problemen die Einrichtung steht und beteiligt sich aktiv an der Problemlösung”.

Auf der Konferenz haben darüber hinaus der HMCTS-Direktor für Ziviles, Familien und Tribunal Kevin Sandler, Leiter des Haushalts- und Planungsdepartements des US-Bundesstaates Jutta – die Generaldirektorin Kristen Cox und ihr Stellvertreter Greg Gardner, die Generaldirektorin Milda Dargužaitė, der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes Klaus Heeger sowie andere Teilnehmer ihre Vorträge gehalten.

Die Veranstaltung wurde von der US-Nichtregierungsorganisation TOCICO, die Experten für zeitgenössische Managementmethoden weltweit vereint, organisiert. Seit 2003 hat TOCICO über 20 internationale Konferenzen in den USA, in Indien, Japan, Süd Korea und Europa organisiert. Die Veranstaltung haben die Amerikaner zusammen mit ihren Partnern ausgerichtet – der geschlossenen Aktiengesellschaft „TOC sprendimai“, dem Wirtschaftsministerium und dem Gesundheitsministerium der Republik Litauen. 

Mehr zu dieser Konferenz finden Sie unter: http://efk.lt/

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