Die Tage mit Jonas Mekas in Brüssel: verschiedene Treffen, Filme, eine Ausstellung

22 Oktober 2013, Erneuert, 14:36 EEST
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autor: Mindaugas Mikulėnas

Am 15.-18. Oktober war Jonas Mekas nach 50 Jahren Pause wieder in Brüssel zu Besuch und hat seine Werke präsentiert, die die Grenzen der Kunstdisziplin, der Institutionen, der Länder und Kontinente überschreiten. In den wichtigsten Kunstsälen von Brüssel – im Kino CINEMATEK und im Zentrum für visuelle Künste BOZAR der königlichen Kinoarchiven Belgiens wurde die Kinoretrospektive eröffnet, fand eine Diskussion mit Vytautas Landsbergis statt, wurden die Ausstellung „Jonas Mekas/die Fluxus-Wand“ präsentiert und verschiedene Treffen mit den Zuschauern und ein Sonderkinoabend für den Film „Litauen und der Untergang der UdSSR“  organisiert.

Alle diese Veranstaltungen sind ein wichtiger Bestandteil des Kulturprogrammes der litauischen EU-Ratspräsidentschaft.

In den Filmen - die Schönheit und Magie der erlebten Augenblicke

Am 16. Oktober wurde mit dem neuesten Film „Ausschnitte aus dem Leben eines glücklichen Menschen“ (Outtakes from the Life of a Happy Man) (2012) in dem Kino CINEMATEK die Retrospektive von J. Mekas eröffnet. Bei dem Treffen mit den Zuschauern sagte J. Mekas, dass dieser Film, wie viele andere auch, keine Erinnerungen sind. Erinnerungen existieren J. Mekas zufolge nicht einmal, alle Bilder, Erlebnisse sind real, ganz gleich wann sie gefilmt wurden.  

„Mir gefällt das was ich sehe“, sagte J. Mekas über das Filmmaterial, das er gesammelt hatte. Jedes Mal wenn ein Künstler einen neuen Film dreht, ist es so, als ob er ihn aus seinen Archiven hervorholen und „ein Bild nach dem anderen auf einen Stab aufspießen würde“, ihre Zusammensetzung und Sinnschichten werden dabei mit einem sorgfältig ausgesuchten Originalton versehen.

In der Retrospektive, die bis zum 27. Oktober laufen wird, werden die von J. Mekas selbst ausgesuchten Filme präsentiert, die zwischen 1964-2012 entstanden sind, darunter „Voldenas“ (1969), „Erinerrungen aus der Reise nach Litauen“ (1972), „Lost, lost, lost“ (1976), „Geschichten der schlaflosen Nächte“ (2011) sowie Filme aus der 16 mm Kollektion und andere. In diesen Filmen verewigt der Autor den Alltag, die Orte, die er besucht hat, seine Familie, seine Treffen mit den Freunden und verwandelt die Bilder in impressionistische Bilder, in denen sich die Schönheit und Magie der erlebten Augenblicke entfalten.  

Bei den Gesprächen ging es um künstlerische Arbeit, Litauen, Freunde und Politik

Am 17. Oktober fand im Zentrum für visuelle Künste BOZAR ein Gespräch zwischen J. Mekas und V. Landsbergis statt, das von der Direktorin der Nationalen Kunstgalerie Lolita Jablonskienė und dem Kunstbetreuer Liutauras Pšibilskis moderiert wurde. Es gab zum ersten Mal ein öffentliches Gespräch unter alten Freunden. J. Mekas und V. Landsbergis haben sich über ihre Erlebnisse ausgetauscht, die dramatische historische Veränderungen im letzten Jahrhundert in Litauen verursachten und die ihr weiteres Leben bestimmten. Nachdem J. Mekas in den Westen zog, wurde seine Identität von den Erfahrungen „einer vertriebenen Person“ (“displaced person“) geprägt, die Erfahrungen von V. Landsbergis hingegen - von der Erfahrung einer Person die in einem verschobenen Ort lebte („the place was displaced“). Ein dynamisches, teilweise humorvolles Gespräch konzentrierte sich auf die künstlerische Arbeit, auf Fluxus, Jurgis Mačiūnas, Litauen, Freunde und am Ende wurde über die aktuelle internationale Politik diskutiert.   

In der Ausstellung werden die Hauptthemen seiner künstlerischen Tätigkeit präsentiert

Nach dem Gespräch wurde im Zentrum für visuelle Künste BOZAR die Ausstellung „Jonas Mekas/die Fluxus-Wand“ eröffnet, in der die besten Werke von Jonas Mekas präsentiert werden, die teilweise aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts stammen. In der Ausstellung werden seltene Fotografien, Videoinstallationen, Gedichte präsentiert, die in wichtige Themengruppen der Mekas-Werke eingeteilt sind: Litauen/das Zuhause/Paradies; Freundschaft/Familie; Gegenwart/der Alltag in der Gegenwart.

Die Zuschauer werden von einer speziell von J. Mekas erstellten Videobotschaft begrüßt. Das Thema in jedem von den fünf Ausstellungssälen wird mit ein paar Poesiezeilen vorangekündigt, die J. Mekas selbst ausgesucht und auf die Wände aufgeschrieben hat.

In dem ersten Ausstellungssaal „Gegenwart/der Alltag in der Gegenwart“ wird ein Videobeitrag „365 Day Project“ gezeigt, der wie ein Fenster in das aktuelle Leben von J. Mekas hineinblicken lässt. Im Jahr 2007 hat J. Mekas jeden Tag jeweils einen kurzen Videobeitrag erstellt und ihn auf seiner Internetseite jonasmekas.com hochgeladen. In dieser Ausstellung haben die Zuschauer zum ersten Mal die Gelegenheit den gesamten 38-stündigen Film auf einem großen Bildschirm zu sehen. 

Das verlorene Paradies in Litauen und das Fegefeuer in Amerika

In dem Saal Litauen/das Zuhause/Paradies wurde die Idee von Litauen als eigenes Zuhause, als verlorenes Paradies und gleichzeitig als ein Land, das für die eigene Unabhängigkeit kämpft,  dargestellt.

In den Bildern „Bilder aus dem Fegefeuer“ („Images from Purgatorio“) können die Zuschauer die ersten Schritte von J. Mekas und seinem Bruder Adolfas 1949-1950 in Amerika sehen; die die Augenblicke aus dem Leben der Gemeinde der litauischen Auswanderer in Williamsburg in Brooklyn näher betrachten.

„Nach zehn Jahren Krieg und Vertriebenenlager, was für uns eine Hölle war, ging es uns in Williamsburg besser, obwohl das keineswegs das Paradies war, von dem uns alle erzählt hatten, als sie von Amerika sprachen. Wir haben das eher als eine Übergangszeit, als Fegefeuer  empfunden“, schreibt J. Mekas.

In der Videoinstallation laufen vier Teile des Films „Der Untergang der UdSSR“ simultan, in denen die Augenblicke der noch jungen Geschichte Litauens und der Welt und das Drama des Freiheitskampfes dargestellt werden. 

In der Saalmitte zieht eine speziell für diese Ausstellung aus gewobenen nationalen litauischen Bändern und Leinentüchern erstellte Installation „Der litauische Geist“ alle Blicke auf sich.

Eine Abgabe an die Fluxus-Bewegung

Für das Leben von J. Mekas verleihen Freundschaften und die Schönheit der Welt um ihn herum den Sinn. In dem Saal „Freundschaften“ wird eine Sammlung von 40 Portraits „Die Fluxus-Familie“ ausgestellt. In den Fotografien sind Familienangehörige, Freunde und Bekannte, die Anhänger der Fluxus-Bewegung waren, sowie bekannte Vertreter der Kunstszene zu sehen, die während der Performances oder bei Versammlungen entstanden sind. Der Videobeitrag „Mačiūnas und Warhol“ verbindet zwei enge Freunde von J. Mekas, deren Beitrag zur kulturellen Entwicklung im 20. Jahrhundert, seiner Ansicht nach, am bedeutendsten war.

Ein separater Teil der Ausstellung – „Die Fluxus-Wand“ wurde dem Gründer der Fluxus-Bewegung J. Mačiūnas und der Fluxus-Performance-Kunst gewidmet. Fotos und Dokumente aus dem persönlichen Archiv von J. Mekas und seiner Fluxus-Sammlung in Vilnius berichten über das weniger bekannte Leben und die Werke des Gründers der Fluxus-Bewegung Jurgis Mačiūnas. Zum ersten Mal wurden die Fotografien von Hollis Melton aus der Hochzeitsperformance von J. Mačiūnas und Billy Hutching 1978 veröffentlicht, in der der Bräutigam und die Braut ihre Kleider vertauscht hatten. Gleich neben an werden die Bilder von Peter Moor aus den Performances von Yoko Ono und die von Yoko persönlich unterschriebene Erklärung „On the Rape“ ausgestellt. Auf vier Bildschirmen laufen die von J. Mekas dokumentierten „Fluxus“-Performances.

Die Ausstellung „Jonas Mekas/die Fluxus-Wand“ wurde von L. Pšibilskis in einer engen Zusammenarbeit mit Jonas Mekas und Dr. L. Jablonskienė betreut. Die Ausstellung wurde von der Nationalen Kunstgalerie, dem Zentrum für visuelle Künste BOZAR organisiert. Einen Teil der Fluxus-Ausstellung hat das Jonas Mekas Zentrum für visuelle Künste in Vilnius geliehen. Die Ausstellung wird bis zum 26. Januar 2014 geöffnet sein.

J. Mekas: „Ich bin ein Bauernkind. Ich arbeite, arbeite, arbeite“ 

Das letzte Treffen zwischen den Einwohnern von Brüssel und J. Mekas fand am 18. Oktober in BOZAR statt, wo er seinen Videofilm „Litauen und der Untergang der UdSSR“ vorstellte. In diesem Film wird in einer chronologischen Reihenfolge die Wiederherstellung der Unabhängigkeit des litauischen Staates 1989-1991 dargestellt. Der Film besteht hauptsächlich aus den Nachrichtenberichten der US-Fernsehsender, den Debattensendungen und Interviews, die J. Mekas verfolgt und bei sich zu Hause in New York aufgenommen hatte.

Bei der Filmpräsentation erzählte der Autor dem hauptsächlich jungen Publikum, dass es angesichts der unerwarteten und rapiden großen politischen Ereignisse sowohl den politischen Kommentatoren als auch den Hauptfiguren des politischen Dramas schwer fiel, ihre Bedeutung und ihren vollen Ausmaß auf Anhieb zu begreifen. Das kann nur mit einem gewissen zeitlichen Abstand gemacht werden.  

In den Pausen zwischen den Veranstaltungen hat J. Mekas viele Interviews an die belgischen Medien gegeben und einige Führungen durch die Ausstellung gemacht. Als er gefragt wurde, ob er an einem anstrengenden Tag nicht müde wird, antwortete der 90-jährige Jonas Mekas „Ich bin Sohn eines Bauern. Ich arbeite, arbeite, arbeite“.

Die Präsentationen der Werke von J. Mekas in Brüssel wurden von der Ständigen Vertretung Litauens bei der EU in Zusammenarbeit mit der Nationalen Kunstgalerie, dem Zentrum für Internationale Kulturprogramme und mit den belgischen Kultureinrichtungen BOZAR, CINEMATEK organisiert.

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